Ganz klar, wer was für die Umwelt tut verzichtet auf Plastiktüten und nimmt im Laden Papiertüten mit. Doch ist es wirklich so einfach?

Plastiktüten sind scheinbar ein Auslaufmodell: Laut Beschluss vom EU-Rat soll in 10 Jahren pro EU-Bürger noch durchschnittlich 40 Tüten pro Jahr verbraucht werden, von einem momentanen Durchschnitt von ca. 200. Deutschland ist hier mit 71 Tüten laut Bundesumweltamt schon sehr federführend, trotzdem erwägt die Regierung, die Tüten zu besteuern. Und bei einigen DM-Filialen sind sie schon aus dem Kassenbereich verschwunden.

Sicher kennt fast jeder die abschreckenden Bilder von riesigen vermüllten Meeresoberflächen durch treibendes Plastik. Doch mal abgesehen sie wohnen in Bermerhaven oder Flensburg und schmeissen die Tüte ins Wasser; wenn sie ihre Tüten über den Hausmüll entsorgen ist die Umweltbilanz gar nicht so schlecht: Eine Plastiktüte besteht größtenteils aus Erdöl, welches der Verfeuerungsanlage in der Müllverbrennung so Energie liefert. Das Öl wird also doppelt benutzt: Erst als Tüte und dann als Brennstoff.

Und was ist mit der Papiertüte? Papier ist ein Rohstoff, das bei der Herstellung ziemlich Energieintensiv ist. Rein von der Ökobilanz müsste eine Papiertüte ungefähr dreimal benutzt werden, um mit einer Plastiktüte mithalten zu können.  Rein praktisch hält eine Plastiktüte wohl aber länger als eine aus Papier.

Tüten aus kompostierbaren Plastik sind übrigens die schlechteste Alternative: Diese erhalten einen kleinen Anteil einfache Polymere, die im Kompost als kleinste Bestandteile übrig. Dann damit in den Biomüll? Nein, Sortieranlagen sortieren sie aus als Plastik.

Und nun? Am besten verzichten sie ganz einfach und bringen Tüten, Stofftasche, Einkaufsbox oder was auch immer von Zuhause mit. Und falls sie nichts dabei haben, ein schlechtes Gewissen brauchen sie bei ihrer nächsten Plastiktüte nicht zu haben, sofern sie sie über den Hausmüll entsorgen. Und dabei können sie nochmals sparen: Nutzen sie die Tüte einfach als Mülltüte!